Baugeschichte und Bauforschung

E251/1

Architektur steht in permanenter Wechselwirkung mit ihrem soziokulturellen und technologischen Umfeld. Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die während des Studiums erworben werden, können in der zukünftigen architektonischen Praxis nur dann zielfördernd eingesetzt werden, wenn es gelingt, auf veränderte Bedingungen des Umfelds von Gesellschaft und Technik adäquat und vorausschauend zu reagieren. Dieses Re-Agieren soll im Kontext einer gesamtheitlichen Betrachtung der Vielfalt des Baugeschehens verschiedener Zeiten und Architekturtraditionen unterstützt bzw. erst ermöglicht werden. So fordert das Konzept der Abteilung, den Studierenden nicht nur die theoretischen Aspekte der Baugeschichte zu vermitteln, sondern auch ihre ideengeschichtliche Bedeutung für Architektur und Stadt, Konstruktion und Funktion. Die Auseinandersetzung mit den historischen Bauten und ihrem Kontext ist beim Thema „Baupraxis im Bestand“ naturgemäß Grundvoraussetzung, garantiert aber gleichzeitig positives Lösungspotential für die eigenen Entwurfsideen. 

Die Arbeitsbereiche der Mitglieder der Abteilung umfassen die Belange der Baugeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, im europäischen und außereuropäischen Raum. Dieser komplexe Ansatz schlägt sich nicht nur in der breit gefächerten Lehre, sondern auch in einer großen Zahl unterschiedlicher Forschungsprojekte und Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen auf internationaler Ebene nieder. In diesem Rahmen wird auch den Studierenden Möglichkeiten zur Teilnahme geboten, die damit Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten von der Literatur- und Archivrecherche über Feldforschung und experimenteller Annäherung bis hin zur Auswertung und Veröffentlichung der Arbeiten gewinnen können. Einen unmittelbaren Zugang zu den Herausforderungen und Möglichkeiten im Umgang mit historischen Bauten und gewachsenen architektonischen Strukturen bietet den Studierenden die Bauforschung und mit ihr die Bauaufnahme. Dadurch wird das unmittelbare Erleben von Architektur am Objekt selbst gefördert und auch die umgesetzte Ideengeschichte konkret veranschaulicht – „Begreifen“ im wörtlichen Sinn. Darüber hinaus werden in Seminaren und Entwurfsübungen durch eine diskursive Auseinandersetzung mit dem historischen Gebäudebestand und seiner Bau- und Nutzungsgeschichte die Kritikfähigkeit gegenüber gegenwärtigen und zukünftigen Fragestellungen in der Architektur gesteigert und damit Impulse für das individuelle architektonische Schaffen gegeben. In einem ortsspezifischen Kontext soll in dieser Weise den Studierenden die Möglichkeit eröffnet werden, Ideen und Konzepte, die aus der Vergangenheit wie der Gegenwart unterschiedlicher Kulturen stammen, weiterzuentwickeln und in eine zeitgemäße Architekturhaltung zu integrieren.

Abteilungsleitung

Univ.Prof. Dr.Ing. Marina Döring-Williams , M.A. Kontakt: TISS

E251/1 Baugeschichte und Bauforschung
Professur | Venia: Baukunst