Die TU Wien und das Japan Austria Science Exchange Center trauern um Ao.Univ.Prof.i.R. Dipl.-Ing. Dr.techn. Emmerich SIMONCSICS

12/03/2020

Ao.Univ.Prof.i.R. Dipl.-Ing. Dr.techn. Emmerich Simoncsics                                                 (Foto @ TU Wien)          

Prof. Emmerich Simoncsics (1933 – 2020): Ein Nachruf

Erstellt von Iris Mach und Thomas Rief

Die TU Wien und das Japan Austria Science Exchange Center trauern um Prof. Simoncsics, der in der Nacht vom 2.Dezember 2020 von uns gegangen ist.

 

Mit tiefer Betroffenheit mussten wir erfahren, dass Emmerich Simoncsics im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Prof. Simoncsics, von seinen engsten MitarbeiterInnen auch liebevoll „Sim“ genannt, war maßgeblich am Aufbau der heute für die gesamte TU Wien so wichtigen Japan-Kooperation verantwortlich und war auch sonst weit über die Architekturfakultät hinaus aktiv.  

1933 in Linz geboren, aber in Budapest aufgewachsen, absolvierte Emmerich Simoncsics 4 Jahre Architekturstudium an der TU Budapest mit Auszeichnung. Während er an seinem Diplom arbeitete, brach die ungarische Revolution aus und er musste nach Österreich flüchten. Unter finanziellen, sozialen und sprachlichen Schwierigkeiten erwarb er in weiteren 5 Semestern 1959 das Diplom an der TU Wien. Sein Wunsch, bei dem weltbekannten japanischen Architekten Kenzo Tange an der Universität Tokio seine Dissertation vorzubereiten, ging in Erfüllung, indem er im Jahre 1964 mit seiner Frau ohne finanzielle Unterstützung nach Tokio flog und dort im Rahmen seiner Arbeit bei Architekt Shibata bei einem internationalen Wettbewerb den ersten Preis gewann. Als Dank für den Erfolg erwirkte Architekt Shibata für ihn eine längere Aufenthaltsgenehmigung und ein japanisches Stipendium an der Universität Tokio. Dort studierte er sowohl die traditionelle Architektur Japans als auch zeitgenössische Bauten unter Prof. Kenzo Tange.

Anlässlich eines Japanbesuches von Prof. Schwanzer wurde ihm eine Assistentenstelle an der TU Wien angeboten. Ab 1967 war er am Institut für Gebäudelehre tätig. Im Anschluss an die Ziviltechnikerprüfung und den Erwerb des Doktortitels im Jahre 1972 erhielt er 1974 den Lehrauftrag für „Angewandte Ästhetik“ und arbeitete an seiner Habilitationsschrift. Nach dem Ableben von Prof. Schwanzer übernahm er zweieinhalb Jahre lang die Vorlesungen und die Prüfungsaufgaben für Gebäudelehre.

Im Jahre 1976 realisierte er in Zusammenarbeit mit Architekt Maki das Österreichische Botschaftsgebäude in Tokio, dessen Repräsentationsräume er in Anlehnung an den Jugendstil einrichtete. Die historischen Bezüge der Innenraumgestaltung wurden im Rahmen einer Ausstellung im MAK auch einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Jahre 1981 initiierte er ein Abkommen über wiss. Zusammenarbeit zwischen der TU Wien und der Universität Tokio, was die Basis für die heute über 16 Abkommen mit prestigeträchtigen japanischen Universitäten und Forschungseinrichtungen war und nicht zuletzt zur Gründung des Japan Austria Science Exchange Centers (JASEC) an der TU Wien geführt hat, das die Koordinierung dieses Internationalisierungsschwerpunktes seit 2015 übernommen hat.

Professor Simoncsics leistete auch bedeutende wissenschaftliche Beiträge zur japanischen Sprachforschung und leitete bis noch vor wenigen Jahren die LVA „Computerunterstütztes Japanisch“. Nach Erlangung der Dozentur im Jahre 1984 führte er die Methoden der Angewandten Ästhetik auch in 6 japanischen Universitäten ein und betrieb als Architekt interdisziplinäre Forschung mit Fakultäten für Bauingenieurwesen und Kunsthochschulen. Für diese Tätigkeiten und für seine Publikation „Japanese-English Code Dictionary“ wurde ihm im Jahre 1997 von seiner Majestät dem japanischen Kaiser der „Orden der aufgehenden Sonne“ verliehen. Für seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet „Terminologie“ erhielt er durch die Unterstützung der Österr. UNESCO-Kommission im Jahr 2006 den „Eugen Wüster Sonderpreis“.

Im Jahre 1998, bereits im Pensionsalter, initiierte er auf Grund des Grubenunglücks in Lassing das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Disaster Mitigation“ in Kooperation von japanischen und österreichischen Experten für Naturkatastrophen. Auch diese Initiative wird heute noch im Rahmen von Lehrveranstaltungen und Forschungskooperationen am JASEC fortgeführt.

Auf Grund seiner Leistungen für die TU Wien und seiner engen Verbundenheit mit dieser, erhielt er im Jahr 2009 das Goldene Diplom.

Mit Prof. Simoncsics verlieren mehrere Generationen an TU-­­Angehörigen und StudentInnen nicht nur einen wichtigen Mentor, sondern auch einen hartnäckigen und prägenden Wegbegleiter. Das JASEC Team um Iris Mach und Thomas Rief hat mit Prof. Simoncsics zudem auch einen guten Freund verloren und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.