O.Univ.Prof. William Alsop, OBE RA (1947 - 2018)

15.05.2018

Die TU Wien trauert um Prof. Will Alsop, der zwei Jahre nach seiner Emeritierung, am 12. Mai 2018 in London verstorben ist.

Ein Nachruf von Manfred Berthold, Christian Kühn und Rudolf Scheuvens (Fakultät für Architektur und Raumplanung)

William Alsop war einer der renommiertesten Architekten Europas. Als Professor für Hochbau hat er seit 1995 die Architekturlehre und die baukünstlerische Forschung an der TU Wien über zwei Jahrzehnte lang bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2016 maßgeblich mitgeprägt.

Will Alsop wurde 1947 in Northamton geboren. Er studierte an der Architectural Association School of Architecture in London, wo er 1973 sein Diplom erhielt. Noch während seines Studiums nahm er mit 23 Jahren am Architekturwettbewerb für das Centre Georges Pompidou in Paris teil und erzielte hinter Richard Rogers und Renzo Piano den 2.Platz.

Erst zu Beginn der 1990er Jahre konnte Will Alsop Projekte ähnlicher Dimension auch realisieren, so etwa 1990 die Hebebrücken von Canary Wharf und zusammen mit Jan Störmer 1993 den Fährterminal in Hamburg-Altona sowie 1994 das Rathaus Hôtel du Département des Bouches-du-Rhône in Marseille, „The Big Blue“, wie dieses Gebäude wegen seiner außergewöhnlichen Dimension und starken Farbigkeit genannt wurde.

In diesen Jahren unterrichtete Alsop neben der Tätigkeit in seinen Architekturbüros am Central Saint Martin College of Art and Design und an der Architectural Association School of Architecture in London sowie an der Hochschule für Künste in Bremen und an der Universität Hannover. Im Jahr 1995 folgte er einem Ruf an die Technische Universität Wien, wo er als Ordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Hochbau für Architekten (ab 2003 Institut für Architektur und Entwerfen) tätig war. Von 1995 bis 2010 leitete er dort die Abteilung Hochbau und Entwerfen. Seine fulminante Präsenz in Vorträgen vor großem Publikum, aber auch seine intensive Einzelbetreuung von Diplomarbeiten, von denen über 200 unter seiner Leitung entstanden, die letzten auch nach seiner Emeritierung, haben die Vielfalt an architektonischen Positionen der Fakultät bereichert.   

Alsops weltweite Tätigkeit mit Büros in London, Hamburg, Moskau, Shanghai, Singapur und Toronto trug zum Ruf der TU Wien und ihrer international ausgerichteten Offenheit in der Architekturlehre und Ausbildung bei. Alsop versuchte, das Lehrgebiet der Baukonstruktion in einem für die Student_innen relevanten Kontext zu platzieren, und dieser Kontext hieß Architektur als Baukunst. Seine meist widerständigen, oft auch exzentrischen eigenen Projekte ließen die Studierenden erahnen, dass es jenseits der konventionellen Hochbaubücher eine andere Welt zu entdecken gibt. Man brauchte ihm nicht dorthin zu folgen, um ihre Bedeutung zu respektieren.

 

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

  • Offizierskreuz des Order of the British Empire (OBE), 2000
  • Mehrere Ehrendoktorate, u. a. 2004 des Ontario College of Art & Design in Toronto und der University of Nottingham Trent School of Architecture.
  • Stirling-Preis für die Peckham Library, London, verliehen vom Royal Institute of British Architects (RIBA), 2000
  • Toronto Architecture and Urban Design Award, Award of Excellence für das Sharp Centre for Design des Ontario College of Art & Design, Toronto, 2005
  • Cityscape Asia Awards: Best Waterfront für Clarke Quay, Singapur, 2008
  • Royal Town Planning Institute Award für das Bradford Bowl Project, 2013

Weitere Nachrufe (Auswahl)

Foto: Malcolm Crowthers, Wikimedia CC BY-SA 3.0