Mission Statement

Architektur

Architektur ist unsichtbar. Natürlich bezeichnen wir unsere gebaute Umwelt – vom Haus über die Stadt bis hin zur gestalteten Landschaft – gerne mit diesem Begriff. Architektur ist aber zugleich eine Aktivität, eine professionelle Praxis, die sich mit dem Entwurf und der Realisierung einer zukünftigen Wirklichkeit beschäftigt. Architektur bedeutet Zuhören: Was wollen die Auftraggeber eigentlich? Was werden die Nutzer brauchen? Architektur bedeutet Verhandeln: Lassen sich die unterschiedlichen Interessen, die mit einem Projekt verbunden sind, unter einen Hut bringen? Architektur bedeutet Gestalten: Wie lassen sich Raum, Form  und Konstruktion zu einem funktionierenden Ganzen verbinden? Architektur bedeutet Planen: Ist der Entwurf wirtschaftlich und ökologisch vertretbar, nicht nur in der Errichtung, sondern auch im Betrieb bis hin zum Abriss und zur Entsorgung? Architektur bedeutet Organisieren: Wie lassen sich die zahlreichen Teilaktivitäten, die notwendig sind, um ein Projekt über viele Jahre bis zur Realisierung zu führen, effizient aufeinander abstimmen? Erst am Ende dieser oft verschlungenen Abfolge von Aktivitäten steht Architektur als ein Objekt, das wir ansehen und berühren können, und das hoffentlich auch uns berührt.

Das Berufsfeld der Architektur ist so differenziert wie die Aktivitäten, die zum Gelingen eines architektonischen Werks nötig sind, und es ist zugleich weit weniger glamourös als es manche Berichte auf den Gesellschaftsseiten vermuten lassen. Architektinnen und Architekten sind zwar tatsächlich Entwerfer und Konstrukteure, Visionäre und Pragmatiker, Manager und Forscher. Aber sie sind das nicht alles zugleich, sondern so gut wie immer auf eine Rolle spezialisiert, auch wenn sie – im Unterschied zu vielen Fachplanern – den Blick aufs Ganze zu wahren haben.

Architektur zu studieren bedeutet daher zweierlei: Erstens, die grundlegenden Fähigkeiten zu erwerben, die nötig sind, um zum Gelingen eines architektonischen Werks beizutragen. Und zweitens zu erkennen, in welchem Teilgebiet man einmal Meisterschaft erreichen möchte, um sich dort entsprechend zu vertiefen. Das Studium der Architektur an der TU Wien bietet dafür die besten Voraussetzungen: Auf ein Bachelorstudium, das die grundlegenden Kompetenzen vermittelt, folgt ein Masterstudium mit zahlreichen Vertiefungsmöglichkeiten, die der individuellen Schwerpunktsetzung dienen. Parallel zum Masterstudium Architektur bietet die Fakultät ein Masterstudium in Building Science and Technology, das avancierte Themen der Bauphysik und des Computer Aided Design behandelt und speziell auf die Forschung in diesen Gebieten vorbereitet.

Wie die Zukunft der Architektur – als gebaute Umwelt ebenso wie als professionelle Praxis – aussehen wird, ist heute kaum abschätzbar. Der Veränderungsdruck ist groß, durch ökonomische Rahmenbedingungen ebenso wie durch neue Organisationsformen des Planens und Bauens. Zugleich wird immer deutlicher, wie drastisch die Veränderungen im globalen Ressourcenverbrauch ausfallen müssen, um einen ökologischen Kollaps zu verhindern. Allein die Errichtung und der Betrieb von Bauten sind für 40% des globalen Energieverbrauchs verantwortlich, weitere 20% gehen auf den Verkehr zurück, dessen Ausmaß nicht zuletzt von der Stadt- und Raumplanung bestimmt wird. Soziale Spannungen auf lokaler und globaler Ebene sind unvermeidlich und rufen nach kreativen Lösungen. Wenn wir davon ausgehen, dass Architektur die kulturellen und sozialen Entwicklungen ihrer Zeit in Raum und Form widerspiegelt (oder vielleicht besser: verhandelt), wird deutlich, dass wir unsere Studierenden auf eine Praxis vorbereiten müssen, die wir nur in groben Umrissen ahnen können. 

Umso wichtiger ist, dass sich die Universität als Freiraum versteht, als Ort des gegenseitigen Vertrauens zwischen Studierenden und Lehrenden. Als Lehrende unterstützen wir unsere Studierenden mit all unserer Kompetenz und unserem Wissen dabei, neue Aufgaben zu erkennen und Lösungen zu entwickeln, die im besten Fall jenseits des aktuellen Horizonts liegen.

Der dafür nötige Optimismus und die Kraft junger Menschen sind unsere eigentlichen Ressourcen. Wer diese Energie sowie ein Interesse für komplexe Aufgabenstellungen und ein ausgeprägtes Talent für das Gestalten von Raum und Form mitbringt, hat die besten Voraussetzungen für ein Studium an unserer Fakultät.