Forschungsgebiet Soziokulturelle Architekturforschung

Dieses Forschungsgebiet der Fakultät für Architektur- und Raumplanung befasst sich mit der Wechselbeziehung von sozialen und räumlichen Strukturen mit Fokus auf Mikrostrukturen im Sinne von konkreten architektonischen Raum- und Innenraumgestaltungen von Einzelobjekten und baulichen Ensembles. 

Die gebaute Umwelt reflektiert die sozialen, politischen ökonomischen und technischen Kapazitäten einer Gesellschaft, aber sie beeinflusst diese ebenso. Die komplexen Interdependenzen zwischen räumlichen und sozialen Strukturen innerhalb von Gebäuden oder architektonischer Strukturen werden durch verschiedene Methoden untersucht: philosophische Analysen, bau- und kunsthistorische Untersuchungen, soziologische und anthropologische Methoden. Innerhalb dieses Forschungsgebiets können derzeit drei Schwerpunkte aufgezeigt werden: 

  1. Architektur als performatives Instrument: Aus historischer Perspektive wie auch aus dem Bereich der Genderstudien werden Architekturbeispiele hinsichtlich ihrer Separationstechniken, Einschluss-, Überwachungs-, Hierarchisierungs- und Kontrollmechanismen untersucht, die das Verhalten der NutzerInnen organisieren sollen, indem Privatheit und Öffentlichkeit, Subjektitivitäten, Geschlechtsbeziehungen, soziale Werte und Rollen erzeugt werden.
  2. Technik-philosophische Architekturanalyse: Die Geschichte demonstriert eindrucksvoll, wie technische Erfindungen, einschließlich der Entwicklung neuer Materialien, Konstruktionen etc. zu radikalen Veränderungen in der Architektur führten. Heutzutage bieten intelligente Materialien, Medientechnologien und digitale Entwurfswerkzeuge das Potential für fundamentale Neuentwicklungen. Der Einfluss neuer Technologien auf die Architektur beinhaltet komplexe soziale Konstruktionen, die unter technikphilosophischer Betrachtungsweise analysiert werden. 
  3. Kulturbezogene Diskursanalyse der Architektur: Der spezifische Beitrag von ArchitektInnen zur gebauten Umwelt kann nicht allein in einer technischen Disziplin gefunden werden, sondern muss im Kontext des sozio-kulturellen Umfeldes betrachtet werden. (Verständnis als ein kulturelles Phänomen,mit Einflussfaktoren ökonomischer, politischer, technischer, psychologischer und künstlerischer Natur) In Relation zu Bourdieus Definition kultureller Felder wird die Architektur als ein solches betrachtet mit eigenen Werten und Legitimationen. 
    Die Erforschung der Interdependenz sozialer und räumlicher Strukturen anhand konkreter architektonischer Fallbeispiele ist notwendigerweise interdisziplinär.