Forschungsgebiet Die Europäische Stadt – zwischen Selbstorganisation und Steuerbarkeit

Die Entwicklung städtischer Agglomerationen ist von Perioden des Wachstums, der Stagnation oder Schrumpfung geprägt. Solche Perioden der Stadtentwicklung lassen sich angesichts der vielfältigen Entwicklungen von Städten und Stadtsystemen im interkulturellen und interkontinentalen Vergleich kaum in einer allgemein gültigen Erklärung zusammen fassen. Vielmehr dominieren heute drei grundsätzlich verschiedene paradigmatische Ansätze den wissenschaftlichen Diskurs. 

In sozialwissenschaftlicher Perspektive werden Stadtentwicklung und stadtregionale Prozesse der Verstädterung (1) gemäß einer grundsätzlich bestehenden Pfadabhängigkeit in Abhängigkeit von ökonomischen, demographischen und sozialen Prozessen gesehen, die zu ähnlichen Verteilungsmustern in den Städten führen. (Auf Strukturen bezogener Ansatz zur fordistischen Stadt) In ebenfalls sozialwissenschaftlicher Tradition wird Stadtentwicklung (2) aber auch auf Basis ihrer Individualität, Eigenständigkeit und „Eigensinnigkeit“ aufgrund unterschiedlicher Regulation durch städtische Stakeholder respektive durch fest verankerte wirtschaftliche und kulturelle Muster interpretiert. (auf Steuerung/Governance bezogener Ansatz zur post-fordistischen Stadt und Erzeugung territorialen Kapitals). Diesen beiden Ansätzen steht ein dritter, aus evolutionärer Perspektive (3) gegenüber, der die Stadtentwicklung auf Basis allgemeiner Regelhaftigkeiten, die der sozialen und räumlichen Selbstregulierung unterliegen, sieht. (Auf regelhafte Prozesse bezogener Ansatz zur kleinräumigen Dynamik im städtischen Raum) 

Folgende Ziele sollen in diesem Forschungsgebiet verfolgt werden: 

  1. Interdisziplinäre Diskussion der drei paradigmatischen theoretischen Ansätze sowie methodologische Diskussion um die Messbarkeit zentraler Prozesse.
  2. Analyse der Steuerbarkeit und Gestaltbarkeit der Stadtentwicklung (government und governance) mit einer Präzisierung der Bedeutung und Funktion von Raumplanung, Städtebau und Architektur.
  3. Entwicklung von Handlungsansätzen der städtischen und metropolitanen Steuerung auf unterschiedlicher Maßstabsebene unter besonderer Berücksichtigung von Raumplanung, Städtebau und Architektur. 

Forschungsfelder werden auf mehreren Ebenen (vom Individuum über Gebäude, Milieu und Stadtregionbis Europa) zu verschiedenen Bereichen der Stadtentwicklung gesehen, wobei den Eigenheiten und Perspektiven der Europäischen Stadt ein besonderes Augenmerk zukommen soll.