Städtebau

E260/S

Schwerpunkt des Fachbereichs Städtebau bildet die räumliche, bauliche und gestalterische Entwicklung von Stadt und Territorium unter den Aspekten der historischen, kulturellen, sozialen, politischen und ökonomischen Dimensionen. Entwicklung meint dabei zweierlei: einerseits das Begreifen spontan entstehender und geplanter Urbanität, andererseits die aktive Beeinflussung vom Urbanen in Form städtebaulichen Entwerfens und Handelns. Diese beiden Seiten des Umgangs mit Stadt und Territorium gehören untrennbar zusammen und spiegeln sich in der Dualität von Forschung und Lehre, Analyse und Entwurf, Theorie und Praxis, kreativer Kritik und künstlerischer Spekulation, sorgfältiger Planung und intellektueller Unberechenbarkeit. 

Städtebau bedeutet, komplexe, oft nur latent vorhandene Zusammenhänge zu untersuchen, zu verstehen und aufzuzeigen. Das ist die Arbeit der Analyse, die auf unterschiedlichsten Ebenen – je nach Sachverhalt – installiert wird. Wir sehen in allen Phänomenen des Städtischen verdeckte Logiken und potenzielle Absichten, weil wir der Überzeugung sind, dass die gebaute Umwelt und die darin gelebte Wirklichkeit einen Apparat kollektiven Bewusstseins und individueller Absichten darstellen. 

Städtebau bedeutet weiters Lust und Gewissheit, Zusammenhänge auszuloten und mittels räumlicher, struktureller und prozessualer Maßnahmen neu zu arrangieren. Lust ist dabei durchaus im engen Wortsinn zu verstehen, nämlich als Verlangen, die Dinge zu verändern, zu verbessern, zu verschönern. Wir verfolgen dabei eine Strategie flexibler städtebaulicher Antworten auf widersprüchliche Anforderungen. 

Städtebau will schließlich und anscheinend Raum, Form und Ordnung schaffen. Letzteres widerstrebt uns als Diktum, unordentliche Städte sind faszinierend, allzu ordentliche Städte verdächtig. Unordentliche Städte leben aus sich selbst heraus und bringen Urbanes hervor, in ordentlichen Städte ist es offensichtlich schwierig, so etwas hineinzubringen. Das ist das Dilemma städtebaulicher Forschung und Lehre, dass das, was „ohne uns“ produziert wird, tendenziell wesentlich lebendiger ist, als das, was „wir“ produzieren. 

Vermutlich liegt das an der oft verkehrten Vorstellung der Rolle von Raum und Form. Raum und Form sind nicht Ziel, sondern Mittel, um Stadt zu entwickeln. Es gibt dabei keine maßstäblichen Grenzen, weder nach unten noch nach oben. Städtebau, so wie wir ihn betreiben, ist eine Art und Weise, Zusammenhänge architektonisch zu denken und zu interpretieren. Das betrifft Lehre und Forschung gleichermaßen, wir sehen keinen Unterschied der Denkweise beim Forschen und Lehren. Und es gibt keine vorgefertigten Methoden, jedes Problem erfordert seine eigene, erst noch zu entwickelnde Herangehensweise, wobei wir selbstverständlich nicht jedes Mal bei Null beginnen, sondern die bereits erworbene Erfahrung und Erkenntnis nutzen. Das führt zu einem ausgesprochen breiten Lösungsspektrum, von dem wir alle gleichermaßen lernen können, Studierende, Forschende, Lehrende.

Headerfoto: URBWATER, Rekonstruktion der Oberflächengewässer im Bereich des heutigen Wiener Stadtzentrums. Hellblau: 17. Jahrhundert (1663); Mittelblau: 18. Jahrhundert (1726/55); Dunkelblau: 19. Jahrhundert (1825) – © Friedrich Hauer und Severin Hohensinner

Abteilungsleitung

Univ.Prof. Dipl.-Arch. Christoph Luchsinger Kontakt: TISS

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Professur | Venia: Städtebau und Entwerfen