Gestaltungslehre und Entwerfen

E253/6

Grundkurs

Bildhafte Vorstellungen von Architektur in räumlichen Tatsachen zu übertragen, ist während der ersten Wochen des Architekturstudiums Aufgabe des Grundkurses Gestaltungslehre. Mit der Vorlesung soll ein räumliches Verständnis geschaffen werden, das über die Kartographie, zum Stadtgefüge, mit seinen einzelnen Objekten und ihren jeweiligen konstituierenden Elementen führt. Unabhängig vom Maßstab der Handlung wird die Abstraktion zu dem Mittel der Darstellung das uns ein Verständnis von den Bezügen innerhalb und außerhalb einer räumlichen Struktur schafft. Damit wird sie aber auch eine Konstante die sich von allen andern Formen der Wiedergabe menschlicher Beziehungen unterscheidet, und als Hilfsmittel ein präzises Abbild unserer Umgebung vermittelt. Das Wissen um die Darstellung, die Beschreibung eines Raumes bietet aber auch die Voraussetzungen seine inneren und äußeren Beziehungen zu erfassen, seine sozialen Bindungen zu erkennen, die letztendlich auch dafür verantwortlich sind, dass aus einem Raum ein Ort entsteht. Parallel zu den Vorlesungen bildet eine Serie von fünf Modellen den Übungsinhalt ab. Die wesentlichen Parameter eines architektonischen Entwurfes werden jeweils isoliert in den einzelnen Aufgabenstellungen bearbeitet, die vom Anspruch gegenüber  Struktur, Tragwerk, Licht und Wegeführung bestimmt sind. Mit der fünften Übung werden alle genannten Übungskriterien gemeinsam, auf der erweiterten Grundlage von Funktion und Programm angewandt. Der Ausgangspunkt für sämtliche Übungen ist ein für alle verbindlicher Grundkörper, mit  festgelegter Dimension und Materialangabe wie auch der geforderten Form der Fertigung. Mit Übungsbeginn können diese Regelungen durchaus als eingrenzend verstanden werden. Jedoch mit der Abgabe von 900 Modellen stellt sich ein vollkommen gegensätzlicher  Eindruck dar, zumal keine Lösung der anderen gleicht oder entspricht. Eine Vielzahl von Ergebnissen schafft auf den Tischen des Seminarraumes das Bild einer Stadt, einer Gemeinschaft die sich damit aus zahlreichen individuellen Lösungen zusammensetzt.

Entwurf

Der Semesterentwurf ist ausschließlich einer einzigen Aufgabenstellung gewidmet die von den verschiedenen Entwurfsgruppen an den unterschiedlichsten Standorten eingelöst wird. Die Entwurfsaufgabe orientiert sich nicht nur an einer realen Situation, sondern auch immer an einer  Person die den inhaltlichen Anspruch für den jeweiligen Standort festlegt. Das bedeutet nicht nur die genaue Kenntnis des Anforderungsprofils der Aufgabenstellung, sondern auch ein genaues Studium der aktuellen räumlichen Verhältnisse, sowie eine detaillierte Recherche über den neuen Standort.

Als Grundlage zum Entwurf ist ein Seminar, das mögliche Gewichtungen des Entwurfsthemas in all seinen möglichen Facetten aufzeigt. Damit das architektonische Konzept nicht nur auf einer generellen Ebene umgesetzt, sondern auch entsprechend im Detailbereich eingelöst wird,  bietet die Abteilung Seminare und  Zwischenkritiken zu Tragwerk, Hülle, Material an, die sich an den spezifischen Aspekten der jeweiligen Aufgabenstellung orientieren. Für die einzelnen Entwurfsthemen werden vorwiegend Standorte gewählt die in einem räumlich ausgeprägten Umfeld angeordnet sind, wobei dieser Kontext von der Naturlandschaft bis zu einem bauhistorischen Ambiente reichen kann. Wesentlich für die Wahl ist  immer die Referenz zu einer klar definierten räumlichen, wie auch sozialen Struktur, mit der sich die einzelne Entwurfsaufgabe, unausweichlich auseinander setzen muss. Erst innerhalb dieses Umfeldes, mit seinen zahlreichen Reibungsflächen, etabliert sich die Bedeutung einer Architektur, die so mit ihrem unmittelbaren Kontext untrennbar verbunden bleibt.

Modul

Das Verständnis für die kausale Beziehung zwischen der Struktur einer architektonischen Gestalt und ihrer konstituierenden, raumbildenden Elemente soll auf der Grundlage des Moduls im Rahmen einer forschungsgeleiteten Lehre erweitert werden. Raumbildende Bauteile in ihrer historischen Entwicklung und ihrer Form der möglichen Differenzierungen, die sich jeweils aus Funktion, Typologie und Konstruktion ableiten, sollen mit ihrer Bedeutung und Interpretation in einem räumlichen Gefüge untersucht und bewertet werden, um auf dieser Grundlage erweiterte Aussagen für den Entwurfsprozess erarbeiten zu können.

Das Modul Gestaltungslehre stellt eine Vertiefung der Wechselbeziehungen zwischen Struktur und Gestalt dar, die die unterschiedlichen konstituierenden Parameter einer architektonischen Form auf der Grundlage der Gestaltungslehre präzisiert und vermittelt. Die detaillierte Kenntnis dieser Parameter mit ihrer Entwicklungsgeschichte, ihren aktuellen Formen der Anwendung innerhalb der architektonischen Gestalt, und auch deren Wechselbeziehung auf das räumliche Umfeld, sollen über eine Vorlesungsreihe und ein Seminar, für die Studierenden die Grundlage bilden, auf der typologisch klare jedoch hochspezifische Lösungen innerhalb eines Kontextes erarbeitet werden können.

Die Ergänzungsfächer dienen zur Überprüfung dieses Wissens mit seiner praktischen Anwendung im Rahmen von Übungen.

Headerfoto: Ausstellung Village Textures, Eisenstadt Hofstallungen, 2014, Foto: Hertha Hurnaus

Abteilungsleitung

© Jabornegg & Pálffy
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Andras Pálffy Kontakt: TISS

E253/6 Gestaltungslehre und Entwerfen
Professur | Venia: Gestaltungslehre